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Voettocht 30 december 2025

Die Vorsitzende des "Comite voettocht 30 december" Frau Sarton und der ehemalige Bürgermeister von Niederkrüchten Herr Wassong leiteten die Veranstaltung
Bürgermeisterin von Roermond Frau Hoogtanders
Redebeitrag von Gastredner Dr. Stephan Stracke, Historiker
Ansprache Bürgermeister Thomas Ricker, Gemeinde Niederkrüchten

Nachdem 14 junge Männer, die sich dem Aufruf zum Arbeitsdienst in Deutschland widersetzt hatten, hier im Lüsekamp einige Tage zuvor ermordet worden waren, mussten etwa 2800 noch arbeitsfähige Männer  am 30. Dezember 1944 den 30 km langen  Gewaltmarsch bei Schnee und Eis von Roermond nach Dülken antreten, von wo aus sie in Viehwaggons unter menschenunwürdigen Zuständen nach Wuppertal verfrachtet wurden. Ein kleines Denkmal in Dülken erinnert dort noch an diese Tat. 

Dieses Jahr hatte  wieder eine große Gruppe Menschen, jung und alt , Niederländer und Deutsche, den etwa 10 Kilometer langen  Gedenkmarsch von Roermond zum Ort des Verbrechens am Lüsekamp angetreten. Etwa 250 Menschen  wohnten einer würdigen Gedenkfeier bei, die von Frau Sarton und Herrn Wassong geleitet wurde. In den  Reden von Frau Hoogtanders als Bürgermeisterin von Roermond und Herrn Ricker als Bürgermeister von Niederkrüchten wurde das Geschehen an jenen Tagen dargestellt und hervorgehoben, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Jetzt überwiegen die Gemeinsamkeiten auf beiden Seiten der Grenze, die eigentlich keine mehr ist. So soll es bleiben und der Wille zur gegenseitigen  Toleranz und Zusammenarbeit zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Daran zu arbeiten sind alle aufgerufen, gerade jetzt in einer Zeit  zunehmenden nationalistischen Gedankengutes in Teilen Bevölkerung auf beiden Seiten. Besonders Frau Hoogtanders beschwor die freiheitlichen verfassungsrechtlichen Werte, die die Niederlande verkörpern und so soll es bleiben.  Als Gastredner berichtete der Historiker Dr. Stephan Stracke über seine Forschungsarbeit zum Verbleib der 2800 Roermonder Zwangsarbeiter nach Ankunft in Wuppertal. Die Anfang 1945 herrschenden chaotischen Zustände in dem durch Bomben zerstörten Deutschland zeigten sich auch in Wuppertal in menschenunwürdigsten Zuständen sowohl in der Unterbringung als auch Essenszuteilung. Viele Zwangsarbeiter wurden zur Beseitigung von Trümmern herangezogen. Viele wurden wohl auch in die umgebenden Städte verfrachtet. Die sonst so penible Buchführung über Gefangenentransporte wurde immer lückenhafter, was heutzutage die Nachforschungen  erschwert. Ein Gutes hatten die chaotischen Zustände aber wohl doch gehabt. Einige Zwangsarbeiter konnten fliehen und sich in die Heimat durchschlagen.

Ein Bläserseptett und ein Gitarrist gaben der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen. Nach dem Niederländischen “taptoesignaal” durch ein Trompetensolo verharrten die Anwesenden in einminütigem Schweigen.

Nächstes Jahr wird an gleicher Stelle zum 30. Mal eine  Feier zum Gedenken und zur Mahnung stattfinden.

Dr. Leo Gielkens legt das gemeinsame Gesteck von Pax Christi, Versöhnungsbund und IPPNW nieder
ein Bläserseptett trug zur feierlichen Stimmung bei
Timo Brauwers an der Gitarre
auch Mitglieder des Niederländischen "RodeKruis" und der Jugendabteilung des "Roten Kreuzes" legen weiße Rosen am Gedenkstein nieder
Für jeden Ermordeten Roermonder Bürger wurde eine weiße Rose am Gedenkstein niedergelegt
Nie mehr Faschismus - Nie wieder Krieg, das steht auf der Schleife des gemeinsamen Gestecks von Pax Christi, Versöhnungsbund und IPPNW
Nach der Gedenkfeier am Lüsekamp legten Mitglieder Von Pax Christi, Versöhnungsbund und IPPNW auch ein Gesteck in Dülken am Gedenkstein für die 2800 Zwangsarbeiter aus Roermond nieder. Die Errichtung des Gedenksteines im Stadtgarten von Dülken erfolgte 2018 auf Initiative von Pax Christi. An dieser Stelle harrten die Zwangsarbeiter aus, bevor sie am nächsten Tag vom Bahnhof in Viersen in Viehwagons nach Wuppertal transportiert wurden.

Voettocht 30 december 2024

Lüsekamp ein schönes grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet, aber hier ereignete sich vor 80 Jahren Schreckliches

80 Jahre ist es her, dass hier im Grenzgebiet auf deutscher Seite Schreckliches geschah. Hier im Lüsekamp mussten 13 junge Männer ihr eigenes Grab ausheben, um nach ihrer Erschießung dort verscharrt zu werden. Sie kamen bei eisiger Kälte zu Fuß aus Roermond bewacht von den deutschen Besatzern. Sie hatten sich einem Aufruf zur Zwangsarbeit widersetzt, hatten sich versteckt. Das Versteck unter einer Schule wurde verraten. Das war Grund genug erschossen zu werden. Sechzehnjährige Jungs waren unter den Opfern. Daneben musste ein flüchtiger polnischer Zwangsarbeiter aus der Nähe von Warschau auch sein eigenes Grab ausheben und wurde ebenfalls erschossen. Bis vor kurzem kannte man seinen Namen noch nicht einmal. Durch Nachforschungen konnte zumindest sein Vorname in Erfahrung gebracht werden. Franz hieß er und war siebzehn Jahre alt. Der Nachname soll zweisilbig gewesen sein. Er war geflohen aus einem Gefangenenlager bei Hannover und konnte sich bis nach Roermond flüchten. Sein Plan, durch die Maas schwimmend das jenseitige rettende Ufer (dort befanden sich Ende 1944 bereits die Alliierten) zu erreichen, wurde  verraten. Fallschirmjäger nahmen ihn gefangen, misshandelten ihn. Wie auch immer gelang ihm erneut die Flucht. Doch bald wurde er wieder inhaftiert und zu einer Person ohne weitere Verwendung erklärt, die beseitigt werden konnte.

Etwa 3000 Männer, die sich dem Befehl zum Arbeitseinsatz nicht widersetzt hatten, mussten in eisiger Kälte einen Fußmarsch von Roermond nach Dülken antreten. Von dort wurden sie zur Zwangsarbeit in Arbeitslager deportiert. Einige von ihnen haben die Strapazen und Entbehrungen nicht überlebt.

Dieser Willkürtaten der deutschen Besatzer wurde am 30. Dezember wie schon in den Vorjahren am Gedenkstein im Lüsekamp gedacht. Zum 80. Jahrestag waren aus Roermond eine große Anzahl Niederländer zu Fuß gekommen in Erinnerung an den „voettocht op 30 december“. Auf deutscher Seite bekundeten insbesondere Bürgermeister der umliegenden grenznahen Städte auf deutscher und niederländischer Seite ihren Erinnerungswillen,  die Bereitschaft zur Aussöhnung und die Mahnung das Unrecht nicht zu vergessen. Die meisten Reden wurden auf Niederländisch oder auf Deutsch gehalten, weil man heute davon ausgehen kann, dass die grenzüberschreitende Verständigung funktioniert, die Sprache verstanden wird. Es war beeindruckend wie viele Organisationen und insbesondere Angehörige der Opfer  sich an der Aufarbeitung und am Gedenken an diese schlimmen Taten beteiligen. Eine besonders beeindruckende Schilderung der Situation in Roermond Ende 1944 war von zwei Brüdern zu hören. Ihr Vater war in diesem Jahr 96jährig gestorben. Im Nachlass des Vaters fand sich ein Schulheft von ihm, in dem er ein Tagebuch über die Situation in Roermond im Dezember 1944 geschrieben hatte. Darin schilderte er das Leid, den Hunger, die Kälte und die Angst vor immer neuen Willkürtaten der Besatzer. Und auf der anderen Seite der Maas waren bereits die Alliierten. Es sollte aber noch einige Monate dauern bis endlich die Befreier vorrückten und sie die Bevölkerung erlösten. 

Trauerndes Gedenken mit gleichzeitiger Mahnung, war die gemeinsame Aussage aller Ansprachen. Es wurden Blumen und Kränze niedergelegt. Auch unsere Ortsgruppe der IPPNW , vertreten von Herrn Herbert Hochheimer, beteiligte sich mit einem Gesteck.

Wie schon in den vergangenen Jahren war alles bestens organisiert worden vom „comite voettocht 30 december“, unter Leitung von Frau Sarton. Die Musikeinlagen mit Gitarre, Akkordeon und Trompete unterstrichen das würdevolle Gedenken dieser beeindruckenden Veranstaltung.

unvollständiger Mitschnitt der Reden von Frau Sarton auf Niederländisch und Herrn Wassong auf Deutsch

Gedenkstein in Viersen-Dülken für die fast 3000 Männer aus Roermond, die hier am 30.Dezember 1944 nach einem anstrengenden Marsch in eisiger Kälte auf ihren Weitertransport in die Zwangsarbeit ausharren mussten

Voettocht 30 december 2023

Auch dieses Jahr fand der Gedenkmarsch von Roermond zum Mahnmal Lüsekamp statt. An der  Gedenkveranstaltung nahmen etwa 100 Personen teil. Darunter waren auch Angehörige der damals deportierten Menschen. Eine sehr würdevolle und bewegende Gedenkfeier, organisiert vom „comitee voettocht 30 december“. Besonders erwähnenswert ist, dass auch Deutsche im Organisationsteam sind, so auch der Bürgermeister von Niederkrüchten Herr Wassong. Die Gedenkreden auf Niederländisch und auf Deutsch erinnerten an  die Gräueltaten, die an diesem Ort  verübt wurden. Soweit darf es nie mehr kommen. Dafür sollten sich auf beiden Seiten der Grenze alle einsetzen, wie es Frau Sarton, die Vorsitzende des Comitees betonte : Vrede vergt moed, Friede erfordert Mut. Die jetzigen Kriege mit unsäglichem Leid der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten und sinnloser Zerstörung  sollte Ansporn sein, diesen Mut aufzubringen. Nach einer Schweigeminute wurden für die vierzehn hier in der Nähe des Mahnmals von einem Kommando der Wehrmacht Getöteten Kerzen entzündet und Kränze als Zeichen des Erinnerns und Gedenkens niedergelegt.

Zum Gedenken an die 13 Bürger aus Roermond und einen polnischen Zwangsarbeiter, die hier in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 1944 durch Angehörige der deutschen Wehrmacht erschossen wurden. Darüber hinaus wird den knapp 3.000 Jungen und Männern aus Roermond gedacht, die zum Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert wurden und einige  der Deportierten dies nicht überlebten.

Frau Sarton, Vorsitzende "Comitee voettocht 30 december"
Herr Wassong, Bürgermeister von Niederkrüchten
Rede der Bürgermeisterin von Roermond Frau Yolanda Hoogstanders

Voettocht 30 december 2022

Jedes Jahr am 30. Dezember organisiert das „Comité Voettocht 30 December“ einen Fußmarsch zum Mahnmal am Lüsekamp, kurz vor der niederländischen Grenze. In diesem Jahr findet der Marsch bereits zum 26. Mal statt.

Im Rahmen der Veranstaltung wird der 13 Bürger aus Roermond sowie eines polnischen Zwangsarbeiters gedacht, die in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 1944 von der deutschen Wehrmacht erschossen wurden. Darüber hinaus erinnert der Fußmarsch an die knapp 3.000 Jungen und Männer aus Roermond, die zum Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert wurden. 18 Menschen sind dabei zu Tode gekommen ( Info der Vorsitzenden des „Comité Voettocht 30 december“ Frau Renée Sarton ) 

„Das Gedenken an den Fußmarsch der zu Arbeiten in Deutschland deportierten Niederländer vom 30.12.1944 und der im Lüsekamp am 27.12.1944 erschossenen 13 niederländischen Verweigerern dieser Zwangsrekrutierung und eines polnischen Zwangsarbeiters fand am 30.12.2022 nach dem Gedenkmarsch von der Roermonder Heilig Hartkerk mit einem Zwischenstopp zum Gedenken an 11 durch Kriegmunition getötete Kinder in Malbroek am Gedenkstein im Lüsekamp unter großer Beteiligung von Menschen aus den Niederlanden und Deutschland statt. In den Räumen des Hotels Bosrijk, direkt an der Grenze, konnten alle Teilnehmer zunächst sich aufwärmen auf Kosten des Hauses mit Kaffee oder Tee und Kuchen. Danach ging ein beachtlicher Zug von gut über 100 Menschen zu dem Mahnmal, das die Gemeinde Niederkrüchten 1996 gestiftet hatte. 14 Kerzen wurden nach Aufruf für die hier Ermordeteten, deren jüngster gerade mal 16 Jahre alt wurde, von Vetretern der Zivilgesellschaften beider Länder entzündet.  Nach Ansprachen der Bürgermeister von Niederkrüchten und Roermond schloß die Veranstaltung mit dem Beitrag von Yvonne de Vries, dessen Übersetzung wir mit ihrer Erlaubnis nachstehend dokumentieren, und Kranzniederlegungen verschiedener deutscher und niederländischer Organisationen.“